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25.01.18

[Rezension] The Coldest City


Cross Cult beweist mal wieder ein gutes Händchen. Der sympathische Verlag veröffentlichte pünktlich zum Kinostart des Films „Atomic Blonde“ mit Charlize Theron die Comicvorlage „The Coldest City“ von Antony Johnston. Am Ende des Kalten Krieges wird in Berlin ein MI6-Agent ermordet. Die Agentin Lorraine Broughton gerät durch den Auftrag zu klären, was geschehen ist, in ein unübersichtliches Spiel aus Verrat und Eigennutz.

Die Geschichte ist eine klassische Noir-Agenten-Story mit allem, was man erwartet. Agentin Broughton ist nach ihrem Berlin-Einsatz wieder in England und berichtet, was bei ihrer Mission schiefgegangen ist. Sie ist im Zwang sich zu rechtfertigen, weil ein weiterer Agent seinen Tod fand. Die eigentliche Geschichte dreht sich um ihren Aufenthalt in Berlin und wird in Rückblicken erzählt.

Das Berlin kurz vor der Maueröffnung ist chaotisch und gefährlich - besonders natürlich für die Agenten verschiedener Nationen, die sich darin aufhalten und von den politischen Umwälzungen mindestens genauso betroffen sind wie die anderen Bewohner der Stadt. Der Tote hatte angeblich Zugang zu einer Liste mit den Namen aller in Berlin lebenden Agenten aller Nationen. Wie man sich denken kann ist so eine Liste der perfekte McGuffin für eine Geschichte. Da sich die Liste nicht bei der Leiche befand ist nun die gesamte Agenten-Szene Berlins hinter ihre her.

Der ortsansässige MI6-Agent ist erwartungsgemäß nicht begeistert, dass ihm ein Neuling in die Nachforschungen reinreden will. Für Broughton stellt sich zusätzlich die Frage, ob er ein eigenes Spiel spielt. Und was ist mit dem französischen Agenten, der sich ebenfalls einschaltet? Auf ihrer Suche nach der Liste verschlägt es Broughton auch nach Ost-Berlin - ein Aussflug, der ihr den Kopf kosten könnte.

Die vielen verschiedenen Ebenen aus Verrat und Lüge sind typisch für gute Agentenliteratur. Wenn sich im Laufe der Zeit eine Ebene nach der anderen auftut, ist das für den Leser zwar prinzipiell keine Überraschung, aber wegen solcher Wendungen liest er das Buch ja auch. Die Charakterisierungen der verschiedenen Figuren ist hervorragend gelungen. Und auch wenn man sich ziemlich konzentrieren muss, um bei all den Namen und Gesichtern nicht den Überblick zu verlieren, zieht es einen richtiggehend durch das Buch. Welches eigentliche Ziel verfolgt der alteingesessene MI6-Agent und was weiß der Franzose genau? Und was genau führte denn dazu, dass sich Broughton bei ihrer Rückkehr rechtfertigen muss? Und wer ist die geheimnisvolle Figur im Hintergrund, die viele Fäden in der Hand zu halten scheint (und die es in eines solchen Geschichte natürlich geben muss)?

Ich habe ein wenig gebraucht, um mich an die nüchternen Zeichnungen von Sam Hart zu gewöhnen, weiß sie schließlich aber um so mehr zu schätzen. Er taucht Berlin in harte Schatten. Mit wenigen dünnen Linien zeichnet er ein zerbrechliches Bild der Figuren und der Stadt, nur ab und zu unterbrochen von schwarzen Flächen - schwarze Schatten, in denen sich alles Mögliche verbergen könnte. Der Stil macht es nicht leicht die Figuren zu unterschieden. Für mich war das die eigentliche Hürde, die Zusammenhänge alle im Auge behalten zu können. Doch die Mühe lohnt sich. Der Stil unterstreicht das Noir-Feeling und trägt maßgeblich zum Gelingen der Geschichte bei. Er erzeugt eine besondere Stimmung, die zu der insgesamt recht ruhigen Handlung gut passt. Das den Figuren aufgrund des Stils zeichnerisch an Tiefe und Dreidimensionalität fehlt, wird durch die Geschichte wettgemacht, die die verschiedenen Charaktere hervorragend darstellt.

Den Film habe ich nicht gesehen, mir wurde aber berichtet, dass er nur wenig mit dem Comic zu tun hat. Das macht aber nichts. Der Comic funktioniert und so kann man vielleicht beides genießen, ohne alle Pointen bereits zu kennen.

Fazit: “The Coldest City” erzählt eine klassische Agentengeschichte, die alles hat, was man erwartet und dies hervorragend umsetzt. Die Zeichnungen sind schlicht und unterstützen den Noir-Stil. Die verschiedenen Ebenen unterschiedlicher Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden, machen die Geschichte interessant und die Charakterisierung der Figuren erweckt das Agentenleben im Berlin zum Ende des Kalten Krieges für den Leser zum Leben. Man sollte Agenten-Geschichten mögen, wenn man das aber tut, hat man viel Spaß mit dem wie immer gut produzierten Buch.

The Coldest City
Comic
Antony Johnston, Sam Hart
Cross Cult 2017
ISBN: 978-3-95981-433-1
192S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 25

[Die Rezension wurde für den Ringboten erstellt. Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung.]

18.05.17

[Rezension] Manifest Destiny 4: Sasquatch


Die fantastische Reise in den unerforschten Westen der USA geht weiter. Die Reisenden mussten Rieseninsekten, menschenfressende Amphibien, Büffelzentauren und sogar Mooszombies überleben. Was mag wohl in der vierten Etappe der Reise auf sie warten?

Die Reisegruppe ist bereits ziemlich dezimiert worden. Nun naht der Winter und es muss ein Quartier gefunden werden. Doch zunächst gilt es weiter zu reisen. Es ist ein Weg, der auch vor ihnen bereits beschritten wurde, denn die Expedition von Captain Meriwether und Lieutenant Clark ist nicht die erste, die in diese unwirtliche Wildnis vordringt.

Die Geschichte beginnt mit dieser früheren Expedition. Knapp drei Jahre vor Meriweather und seiner Crew durchwanderte sie die gleiche Gegend. Auch sie mussten sich ein Winterquartier suchen, nachdem sie mehrere Male durch die Hölle gegangen waren. Sie mussten zusehen, wie ihre Kameraden von den in der Wildnis lebenden Monstern gefressen, zerrissen und zertrampelt wurden. Als dann endgültig die Nahrung ausgeht, sind einige zum Äußersten bereit, um zu überleben. Andere sind es nicht. Als schließlich ein Geist auftaucht und zeigt, wovon sich die Gruppe ernähren kann, erscheint es gar nicht so schlimm, dass der Tippgeber tot ist.

So begegnen sowohl der Leser als auch die Reisenden das erste Mal dem titelgebenden Sasquatch - einem formidablen Gegner, aber für die Gruppe auch eine Überlebenschance. Als Meriwethers Reisegruppe drei Jahre später auf die gleichen Wesen trifft, ist es kein Wunder, dass diese nicht so gut auf Menschen zu sprechen sind.

Die Geschichte springt zwischen den beiden Zeiten hin und her. Was damals geschah, hat wesentlichen Einfluss auf das, was heute geschieht – sogar mehr, als es zunächst den Anschein hat. Ich fand die Zeitsprünge zunächst ziemlich verwirrend. Bis ich überhaupt kapiert hatte, dass das Buch in der Vergangenheit beginnt, lagen bereits einige Seiten hinter mir. Vielleicht war das meiner Unaufmerksamkeit zu verdanken, aber ehrlich: Wer liest schon die Jahreszahlen, die ab und zu in den Sprechblasen auftauchen?

Als ich aber begriffen hatte, dass zwei Geschichten erzählt werden, riss mich die Geschichte voll mit. Die Zeichnungen und Dialoge sind gewohnt gelungen, die Story ist jedoch anders als die bisherigen. Sie offenbart Geheimnisse, die zuvor nur angedeutet wurden. Mir hat der Band bisher am besten gefallen. Einziges Manko ist, dass er keinen echten Abschluss hat. Für eine Auflösung müssen wir auf die nächsten Bände warten. Wenn die Geschichte so spannend bleibt, warte ich aber gern.

Fazit: Der vierte Band der Reihe ist wieder völlig anders als die vorherigen. Bisher nur angedeutete Geheimnisse treten offen ins Tageslicht, ohne wirklich aufgelöst zu werden. Ein spannender Band, der den nächsten praktisch zur Pflichtlektüre werden lässt.

Manifest Destiny 4: Sasquatch
Comic
Chris Dingess, Matthew Roberts, Owen Gieni
Cross Cult 2017
ISBN: 978-3-95981-031-9
128 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 20

[Die Rezension wurde für den Ringboten erstellt. Der Verlag stellte mir dafür ein Rezensionsexemplar zur Verfügung.]

22.04.17

[Rezension] Manifest Destiny 3: Chiroptera und Carniformaves

„Manifest Destiny“ berichtet von der Expedition von Captain Meriwether Lewis und Second Lieutenant William Clark in die unerforschten Gebiete von Amerika. Sie sollen das Land erkunden und für eine spätere Besiedlung sicher machen. Sie stießen bereits auf verschiedenste Gefahren: Monster, Krankheiten, ihre eigenen Leute. Was mag sie wohl im dritten Teil der Reihe erwarten?

Der Leser mag befürchten, dass sich die Gefahren wiederholen. Wie viele Arten, Monstern zu begegnen mag es wohl geben? Chris Dingess gelingt es aber ein weiteres Mal eine völlig andere Art von Schrecken auf die Hauptfiguren zu hetzen. Dieses Mal ist zunächst gar nicht sicher, wie gefährlich diese putzigen Wesen sind, die ihnen über den Weg laufen. Die Reisenden können sich sogar mit ihnen unterhalten.

Als das Schiff weiter flussaufwärts ins Landesinnere fährt, am Horizont ein weiterer Steinbogen auftaucht und der Befehl ausgegeben wird, diesen zu erkunden, ist niemand begeistert. Die letzten beiden Male sind viele Menschen gestorben, als sie diese Torbögen untersucht haben. Captain Meriwether ist aber unerbittlich. Er stellt eine Gruppe zusammen und gemeinsam gehen sie in Richtung des Torbogens. Das blaue Vogelwesen, das sie in der Nähe des Bogens entdecken, scheint zunächst ungefährlich zu sein, doch dann greift es einen Seemann an und wird gefangen gesetzt. Als es plötzlich anfängt zu sprechen, ist der Schrecken groß.

Der kleine Kerl gehört einer Zivilisation an, die der Mannschaft völlig fremd ist. Dementsprechend weiß auch niemand, inwieweit man ihnen trauen kann. Schließlich taucht ein zweites Monster, ein geflügelter Fleischfresser, auf und das blaue Federwesen ruft dazu auf, es zu jagen und zu töten. Doch wie gefährlich ist das? Und will der sprechende Vogel die Mannschaft vielleicht in eine Falle locken?

Dingess gelingt es ein weiteres Mal, die Spannung über die gesamte Länge des Bandes aufrecht zu halten. Viel zu schnell ist man am überraschenden Ende angekommen und fiebert auf den nächsten Teil der Geschichte. Misstrauen gemischt mit Fremdartigkeit und ein wenig Ungläubigkeit bestimmen die Handlung. Der Schluss ist schockierend. Blut und Horror kommen auch nicht zu kurz. Die Geschichte der Mannschaft, ihre internen Schwierigkeiten und Persönlichkeiten rücken etwas in den Hintergrund, doch das stört nicht. Die Vogelwesen sind einfach zu faszinierend.

Bilder und Erzählweise erinnern wie in den ersten Bänden an einen Hollywoodfilm. Mich würde es nicht wundern, wenn irgendein Studio ein Fantasy-Action-Spektakel aus der Geschichte machte. Die Bilder von Matthew Robert und die Farben von Owen Gieni unterstützen die Erzählung hervorragend. Erst durch sie hat der Leser das Gefühl in einem Film zu sein.

Fazit: Der dritte Band steht den ersten beiden in nichts nach. Er setzt sogar noch einen drauf, was Spannung und ungewöhnliche Themen angeht. Dingess mischt Abenteuer, Fantasy und Horror zu einer innovativen Saga. Für solche Geschichten werden Comics gemacht.

Manifest Destiny 3: Chiroptera und Carniformaves
Comic
Chris Dingess, Matthew Roberts, Owen Gieni
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-95981-027-2
128 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 20,00

[Die Rezension wurde für den Ringboten erstellt. Sie basiert auf ein Rezensionsexemplar des Verlags.]

18.04.17

[Rezension] ASH Austrian Superheroes Vol. 1 - Rückkehr der Helden

Superhelden sind eigentlich etwas typisch Amerikanisches. Wie aber würden europäische Superhelden aussehen – oder in diesem Fall österreichische? Diese Frage stellte sich auch das Team hinter "ASH" und beantwortet sie auch gleich selbst.

Österreichische Superhelden? Wiener Schmäh und Heldentaten von Leuten in Strumpfhosen? Ob so etwas funktioniert, hängt davon ab, ob es den Machern gelingt, sich von den amerikanischen Vorbildern zu lösen. Es gelingt ihnen. Ohne krampfhaft anders sein zu wollen, erzählen sie eine humorige Geschichte, die sich nicht davor scheut Klischees zu benutzen oder auch mal albern zu sein.

"ASH" wurde mithilfe eines Kickstarters finanziert. Man mag von Crowdfunding halten, was man will, aber ein Produkt wie dieses würde ohne Vorfinanzierung wahrscheinlich nicht existieren. Ursprünglich aus vier Heften bestehend wurde die vorliegende Miniserie "Rückkehr der Helden" mit einigen Extras angereichert, die sie zu einem hübschen Stück Comickultur machen. Kleine "Making-offs" zeigen frühe Stadien der Figuren und wie sie sich entwickelten. Es gibt Texte, die ein wenig über den Verlauf des Kickstarters und Ziele und Pläne der Macher berichten. Für jedes Heft werden drei Variantcover abgedruckt. Außerdem gibt es einige Minigeschichten, die im Zuge der KS-Promotion herausgebracht wurden, z. B. zum Free Comicbook Day. Jede davon erzählt die Originstory eines der Helden des Teams. Die Extras zusammengenommen lassen den Leser an der Entwicklung teilhaben, geben ihm ein klein wenig den Eindruck "dazuzugehören". Prinzipiell ist das natürlich nichts Neues, aber genau dieses Gefühl ist vielleicht der Grund, überhaupt einen Blick auf europäische Superhelden zu werfen. Es geht hier um uns und nicht um Amerikaner. So funktioniert der erste Band von ASH gleich auf mehreren Ebenen und vermittelt ein nicht alltägliches Comicerlebnis.

Hauptperson der Geschichte ist Captain Austria jr., der Sohn des ursprünglichen Captain Austria, der versucht in Papas Fußstapfen zu treten. Papa selbst taucht nur kurz auf und ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Die anderen Leute des sich bildenden Superheldenteams sind da anders. Eine superstarke Dame namens Lady Heumarkt ist die Tante von Cap Junior. Das Donauweibchen ist ein Wasserwesen und was genau mit dem Bürokraten ist, wird (noch) nicht erklärt.

Jedes Superteam braucht einen Supergegner. Dieser hier ist ein Basilisk – superstark und riesig groß –, der in Wien und Umgebung wütet und unschuldige Menschen umbringt. Cap Junior kann ihn allein nicht besiegen und sucht sich ein Team zusammen. Er muss schließlich sogar zu Papa kriechen und ihn um Hilfe bitten, was ihm wirklich nicht leicht fällt.

Obwohl die Geschichte um ein scheinbar unbesiegbares Monster geht, ist sie kleiner als die typische Superheldenstory und aus diesem Grund irgendwie sympathischer. Die Persönlichkeiten hinter den Teammitgliedern, die teilweise vorhandenen Familienzugehörigkeiten, ihre kleineren Probleme und Alltäglichkeiten werden in die Geschichte eingebracht, ohne sie damit zu überfrachten. Die Helden müssen auch schon mal mit der U-Bahn zum Ort des Geschehens fahren. Humor spielt eine große Rolle. Weder er noch die Handlung selbst ist besonders subtil, aber beides zusammen macht Spaß. Alte Geheimnisse werden angedeutet und das Verhältnis zwischen den Figuren wird nicht abschließend erklärt. Der Plot um den Basilisken wird zwar abgeschlossen, doch es bleibt genug offen, um sich auf die nächsten Bände zu freuen.

Die Reihe ist bei Cross Cult gut aufgehoben. Der kleine Verlag beweist immer wieder ein gutes Gespür und viel Liebe zum Detail. "ASH" wird als Softcover herausgebracht, was ich persönlich für eine gute Wahl halte. So kann der Fan in preislich angemessenem Rahmen die Heldentaten von Österreichs größtem Superheldenteam erleben.

Fazit: Die erste Miniserie von "ASH" macht Spaß. Angefüllt mit viel Humor und Klischees erzählt der vorliegende Band das erste Abenteuer von Österreichs jungen Superhelden. Wichtiger noch als die Gefahr selbst, der sich die kleine Truppe stellen muss, sind die Hintergründe der Helden. So wird die Geschichte persönlicher, "kleiner" und sympathischer. "ASH" schafft es durch seinen eigenen Stil, sich von amerikanischen Superheldengeschichten abzuheben und das Genre europäisch zu machen. Da bin ich gern auch in den folgenden Bänden dabei.

ASH Austrian Superheroes Vol. 1 - Rückkehr der Helden
Comic
Harald Havas, Thomas Aigelsreiter, Patrick Kloepfer
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-95981-133-0
144 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 16,90

[Die Rezension wurde für den Ringboten erstellt. Sie basiert auf ein Rezensionsexemplar des Verlags.]

10.01.17

[Rezension] Monstress Band 1: Das Erwachen

Cross Cult geizt zum Ende des Jahres nicht mit Superlativen. „Monstress“ wird angekündigt als „der außergewöhnlichste Comic des Jahres“. Er ist nominiert für den Eisner Award und verspricht zeichnerisch eine Mischung aus Jugendstil-Steampunk und Manga und erzählerisch eine emotionale Geschichte über Magie, Furcht und Unmenschlichkeit.

Die junge Maika ist auf psychische Weise mit einem Monster unvorstellbarer Macht verbunden. Sie lebt in einer geteilten Welt, in der Hexen Jagd die Arkanen machen, magische Kreaturen, die sie als Quelle für ihre Kräfte missbrauchen. Eine Mauer teilt den Kontinent in zwei Teile, in denen auf der einen Seite die Menschen und auf der anderen die Altertümlichen leben. Letztere sind magische Wesen mit Tiereigenschaften, wie Fuchsköpfen, Wolfsohren oder Flügeln. Irgendwo dazwischen (wo genau, will ich nicht verraten) sind die Arkanen, die von den menschlichen Hexen nicht als Menschen anerkannt werden. Wenn machtgierige Menschen ein anderes Volk als „nicht menschlich“ ansehen, führt das zu einer unschönen Welt voller Hass. Wenn aus dieser Gruppe auch noch eine magische Energie geerntet werden kann, die einer anderen Macht verleiht, wird es noch dunkler. Und mittendrin lebt Maika, selbst eine Arkane und auch noch mit diesem mächtigen Wesen verbunden. Sie lebt in ständigem Kampf: Mit dem Wesen, das sie beherrschen will, mit ihrer Vergangenheit und mit den diversen Feinden, die sich ihre Macht zu Nutze machen wollen.

Als ich las, dass es um die Monster geht, die jeder in sich trägt, und Jugendstil-Steampunk mit Manga-Elementen verbunden wird, erwartete ich Fuchsmädchen und sprechende Katzen (die bekam ich) und eine Geschichte, die mehr an Stefanie Meyer und weniger als Neil Gaiman erinnert. Was ich nicht erwartete, waren Unmenschlichkeit, Folter Verstümmelung und cthuloide Monster.

Es heißt, der erste Satz eines Romans ist einer der wichtigsten des ganzen Buches. Das gilt sicher auch für einen Comic. Wenn dem so ist, dann hat „Monstress“ bereits mit der ersten Seite gewonnen. Das Bild der nackten, angeketteten Maika, die zum Verkauf angeboten wird, legt den Grundstein für alles, was kommt: Die Menschenverachtung mächtiger Gegner; Maikas Gelüste nach Rache, die den ersten Teil des Bandes beherrschen; die Tatsache, dass Maika ungewöhnlich ist. Das Bild deutet eine ganze Welt an und vermittelt sofort und ohne Umwege die Stimmung des gesamten Comics.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die herausragenden Bilder von Zeichnerin Sana Takeda (die sich mit Autorin Marjorie Liu nur über einen Dolmetscher unterhalten konnte). Sie machen den Hass fühlbar, der so viel der Geschichte beherrscht. Mit unglaublicher Liebe zum Detail erweckt sie die dunkle Welt zum Leben. Die Manga-Elemente lassen sich nicht leugnen – werden aber effektvoll eingesetzt. Sie setzen Akzente und sind präsent, ohne aufdringlich zu werden. Sie nehmen den Bildern und damit der Geschichte außerdem ein wenig die Düsternis.

Fazit: Wie die Ankündigung verspricht, ist „Monstress Band 1“ ein ungewöhnlicher Comic. Die Hauptperson ist eine gejagte junge Frau, in der unglaubliche Macht in Form eines Monsters schlummert, mit dem sie psychisch verbunden ist. Wie sie um das Überleben in einer unmenschlichen Welt ringt, kämpft sie auch ständig mit diesem Wesen. Die spannende, düstere Geschichte erzählt die Reise der jungen Frau durch eine gefährliche magische Welt. Die großartigen detailverliebten Bilder unterstützen die Erzählung auf gelungene Weise. Beides zusammen kann nur zu einer Kaufempfehlung führen.

Monstress Band 1: Das Erwachen
Comic
Marjorie Liu, Sana Takeda
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-95981-057-9
192 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 16,80

[Diese Rezension wurde für den Ringboten verfasst.]

18.12.16

[Rezension] Lone Wolf 2100

In einer dunklen Zukunft wird die Welt von ihren eigenen Schöpfungen bedroht: Die „Kriegsspore“ ist ein tödliches Virus, zu deren Bekämpfung ganze Städte abgeriegelt und mit Brandbomben zerstört werden. Die Emkons sind künstliche Lebewesen, gebaut, um den Menschen zu dienen, doch nun gegen ihre Herren rebellierend. Der titelgebende „Lone Wolf“ ist ein Emkon namens Itto, der ein kleines Mädchen beschützt, das den Schlüssen zur Rettung oder Vernichtung der Menschheit in sich trägt.

„Lone Wolf 2100“ ist die Neuerzählung des klassischen Manga „Lone Wolf and Cub“, in dem ein Ronin mit seinem Sohn umherzieht, um sich an den mächtigen Feinden zu rächen, die seine Frau töteten und ihn zur Flucht zwangen. „Lone Wolf 2100“ greift Namen, Figuren und Themen auf und strickt daraus einen actionreichen Sci-Fi-Comic mit komplexem Hintergrund. Itto zieht darin mit der Tochter eines Wissenschaftlerehepaars umher. Die dreijährige Daisy Ogami wird von verschiedenen Machtgruppen für ihre eigenen Zwecke gejagt, doch Itto verteidigt sie wie die sprichwörtliche Wölfin ihr Junges.

Der Anfang des Comics gestaltet sich etwas verwirrend. Die Einführung der Figuren ist aber auch nicht einfach. Itto bringt seine Fähigkeiten als Krieger mehrfach zum Einsatz. Seine Gegner werden ebenfalls vorgestellt, doch bleibt ihre Charakterisierung zunächst verschwommen. Schließlich gerät Itto in eine Situation, in der er von der kleinen Daisy getrennt wird. Es entspinnt sich eine spannende Erzählung, in der Itto gegen einen Warlord antritt und Daisy aus seinen Fängen befreien kann. Erst wenn er schließlich weiterzieht, werden langsam die Hintergründe der Geschichte aufgedeckt und nach und nach die ganze Komplexität der Welt dem Leser offenbart.

Schlüssel für die Offenlegung ist das Kapitel „Die rote Akte“, in dem mithilfe von Akten, E-Mails, Fotos und Auszügen aus Berichten die Entwicklung der Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt beschrieben wird. Das ist vielleicht nicht die geschickteste Methode, um den Hintergrund einer Welt zu erzählen, funktioniert aber durchaus gut. Einige Dinge waren dem Leser bis dahin schon klar, doch ergänzt die Akte die bisherigen Informationen und gibt Antworten auf viele offene Fragen. Was der Leser bereits ahnte, wird hier bestätigt (oder als falsch entlarvt). Dem Leser bleibt es aber auch weiterhin nicht erspart, ein wenig mitzudenken – etwas, das ich in einer Geschichte immer als positiv empfinde.

Neben der Action und einer interessanten Welt sind es (wie immer) vor allem die Charaktere, die den Comic interessant machen. Nicht jede Figur kann bis ins Letzte beleuchtet werden, doch haben viele eine erstaunliche Tiefe. Vor allem die Gruppe der Emkons, wird immer wieder hervorgehoben. Ihre Fragen über sich selbst und ihr Leben tragen auch zum Verständnis der Figur Itto bei, der als schweigsamer Krieger, eher indirekt dargestellt wird. Daisy sagt und tut nur wenig. Sie ist der MacGuffin, hinter dem alle her sind. Nur ab und zu wird ihre Rolle aktiver und sorgt für den einen oder anderen Schmunzler.

Die interessanten Hintergründe der Welt und der Figuren untermalen die harte Action des Comics. Francisco Ruiz Velasco liefert dazu starke Bilder, die die Geschichte von Mike Kennedy unterstützen, wie es sich für einen guten Comic gehört. All das zusammen führt zu einem tollen Comic. Die Erzählweise mag etwas verwirrend sein, wer beim Lesen jedoch gern ein wenig mitdenkt, wird viel Freude an „Lone Wolf 2100“ haben.

Fazit: Der vorliegende Sammelband der Serie „Lone Wolf 2100“ liefert die spannende, actiongeladene Sci-Fi-Geschichte um den Krieger Itto, der ein kleines Mädchen vor ihren Häschern beschützt. Es ist nicht immer einfach, der Handlung zu folgen, was jedoch zunächst unverständlich erscheint, wird später im Band erklärt. Ausdrucksstarke Bilder mischen sich mit einer guten Geschichte zu einen schönen Band.

Lone Wolf 2100
Comic
Mike Kennedy, Francisco Ruiz Velasco
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-95981-035-7
304 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 39,95

[Diese Rezension wurde für den Ringboten verfasst.]

29.09.16

[Rezension] Manifest Destiny 2: Insecta & Amphibia

Die Expedition von Captain Meriwether Lewis und Second Lieutenant William Clark in die unerforschten Gebiete von Amerika geht in die zweite Runde. Im ersten Teil ging es gegen gefährliche „Flora und Fauna“. Der Titel lässt erahnen, dass es dieses Mal Insekten und Amphibien sind, die für eine Dezimierung des Forscherteams sorgen. Man darf gespannt sein, welche groteske Form sie annehmen.

Als wir das Schiff mit seiner zusammengewürfelten Besatzung verließen, fuhr es weiter einen Fluss hinauf, um seine Expedition fortzuführen. Äußere Gefahren waren durch fremde Hilfe überwunden worden und man hatte neue Mitfahrer auf das Schiff aufgenommen. In einer Besatzung, die abgesehen von den beiden Leitern praktisch nur aus (männlichen) Verbrechern besteht, bieten die Neuankömmlinge Potenzial für Konflikte – besonders, wenn gleich mehrere Frauen dabei sind. Doch bevor sich diese ernsthaft manifestieren können, steckt das Schiff plötzlich fest. Knapp unter der Oberfläche des Flusses ist ein großer Steinbogen, genau wie der, den sie bereits im ersten Band entdeckt hatten. Auf der Spitze des Bogens ist das Schiff aufgelaufen.

Der Trip an Land wird unsanft von einem vom Leser bereits erwarteten Amphibium unterbrochen. Eine Art Riesenfrosch mit Tentakeln im Maul versucht die Besatzung zu fressen. Ein Teil der Mannschaft kommt an Land und versucht eine Lösung zu finden. Dort begegnen sie Rieseninsekten, die sie vor ganz neue Probleme stellen. Die Mannschaft und ihre Gäste stehen vor einem Rätsel: Wie können sie die beiden Gruppen wieder vereinen und das Schiff wieder flott machen, ohne von Insekten getötet oder dem Frosch gefressen zu werden? Die Trennung in zwei Gruppen bietet außerdem auch den zwielichtigen Mannschaftsmitgliedern die Möglichkeit, ihre dunklen Pläne in die Tat umzusetzen.

Die Geschichte bleibt über die gesamte Länge spannend und kurzweilig. Dabei gelingt es dem Comic seinem Stil treu zu bleiben, ohne sich zu wiederholen. Im Prinzip haben wir es wieder mit dem gerade anfallenden „Monster of the Week“ zu tun, doch wird die Geschichte dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Wir erfahren mehr über die einzelnen Mannschaftsmitglieder, die Expeditionsleiter und den Hintergrund hinter der Expedition selbst. Zu guter Letzt endet der Band mit einem interessanten Cliffhanger. Die Dialoge sind jederzeit unterhaltsam und gut gemacht, und die großartigen Zeichnungen unterstützen das Gefühl, pulpiges Hollywoodkino zu erleben.

Fazit: Auch der zweite Band kann überzeugen. Er bietet genau, was er verspricht: ein pulpiges Expeditionsdrama mit Monstern. Der Erzählstil ist kurzweilig und die Zeichnungen sind toll. Mehr kann man von einem Abenteuercomic nicht erwarten

Manifest Destiny 2: Insecta & Amphibia
Comic
Chris Dingess, Matthew Roberts, Owen Gieni
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-86425-827-5
128 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 20,00

[Diese Rezi wurde für den Ringboten verfasst.]

27.08.16

[Rezi] Manifest Destiny 1: Flora und Fauna

„Im Jahr 1804 begeben sich Captain Meriwether Lewis und Second Lieutenant William Clark auf eine Expedition in die unerforschten Gebiete von Amerika.“ So beginnt der Klappentext von Manifest Destiny 1. Und so beginnt die Geschichte um zwei Freunde auf einem Schiff voller Verbrecher, die in eine unbekannte Wildnis aufbrechen, um dort Monster, Horror und Abenteuer zu finden

Die Geschichte der spannenden Expedition beruht auf Tatsachen. Es gab sie wirklich. Doch wie es scheint, wurden aus den offiziellen Berichten einige Begegnungen und Begebenheiten herausgehalten. Wir haben nun das Glück die komplette Geschichte in Form dieses Fantasy-Horror-Western-Comics zu erfahren.

Der Band benötigt nur wenige Seiten genügen, um dem Leser die Stimmung und den Hintergrund zu vermitteln. Die Zeichnungen unterstützen die Geschichte dabei hervorragend. Die kräftigen Farben und geschickt gewählten Perspektiven vermitteln mehr als es nur die Worte könnten – ganz so wie es sich für einen guten Comic gehört. Die Herangehensweise an die Erzählung erinnert an gute Hollywoodfilme. Die Strukturen kommen einem zwar bekannt vor, doch da die Geschichte die Klischees immer wieder geschickt aufbricht und die Strukturen gut einsetzt, stört das nicht im Mindesten.

Es ist die klassische Expeditionsgeschichte: Eine Gruppe von Leuten muss sich in einer fremden und gefährlichen Umgebung zurechtfinden. Die Gruppe ist ein gemischter Haufen. Die meisten sind Verbrecher und Halsabschneider, die sich mit der Expedition vom Gefängnis freikaufen wollen. Lewis und Clark scheinen die einzigen untadeligen Personen zu sein. Sie müssen die bunte Truppe unter Kontrolle halten, auch wenn Pläne von Meuterei geschmiedet werden und der psychische Druck nach und nach immer größer wird, wenn ein Mannschaftsmitglied nach dem nächsten stirbt. Zum Sterben gibt es eine Menge Gelegenheit. Zunächst begegnen sie einem Teil der namensgebenden Fauna, der ihnen nachstellt. Und wenn sie das scheinbar rettende Fort erreichen, das ihr Zwischenziel ist, lauert dort die nächste Gefahr. Die Flora, die sie dort bedroht, ist anders, als es die meisten Leser erwarten dürften.

Der Mix aus guten Charakteren (auch wenn ich Lewis und Clark aus irgendeinem Grund nicht auseinanderhalten kann), Konflikten innerhalb der Mannschaft und gefährlichen Begegnungen mit den Einwohnern eines riesigen fremden Landes ist unterhaltsam und jederzeit spannend. Die Gefahren, die von der Fremdartigkeit einer Welt ausgehen, die die Forscher das erste Mal betreten, sind anschaulich dargestellt. Nur die Auflösung der beiden Konfliktherde ist enttäuschend. Zum Glück, so viel kann ich jetzt schon verraten, setzt sich diese Tendenz nicht im zweiten Band fort.

Fazit: Eine Forschungsreise in den fremden, riesigen Kontinent Amerika, die zum reinen Überlebenskampf wird. Das bietet eine Menge Potenzial. Die Figuren sind gut, die Geschichte kurzweilig und gut erzählt, die Zeichnungen sind toll und passen zur Story – was will man mehr … Die Auflösung könnte etwas weniger abrupt sein, doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Wer spannende Abenteuercomics mit einem ordentlichen Schuss Horror und Phantastik mag, macht mit Manifest Destiny nichts falsch.

Manifest Destiny 1: Flora und Fauna
Comic
Chris Dingess, Matthew Roberts, Owen Gieni
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-86425-826-8
118 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 20,00

[Diese Rezi wurde für den Ringboten verfasst.]

05.07.16

[Rezi] The Divine

Im fiktiven, asiatischen Staat Quanlom herrscht ein übler Bürgerkrieg. Protagonist Mark will dort eigentlich nur einen lukrativen Kurzjob erledigen, zu dem ihn ein Freund überredete, doch dann wird er viel weiter in die Kriegshandlungen gezogen, als er jemals beabsichtigte. Neben den Kriegsgefahren, erwarten ihn alte Geister und magische Kräfte.

Mark hat einen langweiligen Job in einer langweiligen Stadt. Er und seine schwangere Frau wollen eigentlich umziehen, doch als sein Arbeitgeber die Versetzung unerwartet ablehnt, scheinen sie weiter in ihrer faden Wohngegend gefangen zu bleiben. Ein alter Freund bedrängt Mark, ihm nach Quanlom zu folgen. Dort, so sagt er, wartet ein einfacher und kurzer Job auf ihn – und genug Geld, um ihm den Ausbruch aus dem derzeitigen Leben vielleicht doch zu ermöglichen. Mark ziert sich zunächst, will nicht in ein Kriegsgebiet reisen, entscheidet sich (für den Leser wenig überraschend) schließlich aber doch anders. Der Auftrag scheint zunächst glatt zu verlaufen, doch dann finden sie ein verletztes Kind, das Mark nicht allein zurücklassen kann.

Es ist schwer mehr über die Geschichte zu erzählen, ohne zu viel zu verraten. Es bleibt jedenfalls spannend, während wir Mark in den Busch begleiten, Leute kennenlernen, denen er begegnet, und beobachten, wie er in einen Krieg gezogen wird, der nicht seiner ist. Magie und Gewalt spielen eine entscheidende Rolle in den geheimnisvollen Ereignissen. Die Figuren sind faszinierend und gut dargestellt. Diese Figuren sind es auch, die den Reiz von „The Divine“ ausmachen. Es sei jedem angeraten, das Nachwort zu lesen und das Foto anzusehen, das sich dort befindet. Es zeigt, woher die Inspiration für die Geschichte stammt. Dass die beiden wichtigsten Figuren von „The Divine“ auf realen Personen beruhen, ist so erschreckend wie faszinierend.

Das große DIN-A4-Format des immer hervorragend produzierten Hardcoverbuchs, passt gut zum Inhalt. In DIN A5 würden die Bilder nicht richtig zur Geltung kommen. Das Buch hat ist mit matter Folie cellophaniert. Das matt gehaltene Bild auf dem Buchdeckel passt hervorragend zu den flächigen Zeichnungen des Comics. Ich musste mich zuerst an den Stil gewöhnen, doch schon nach wenigen Seiten wusste ich die Gestaltung zu würdigen und tauchte tief in die ungewöhnliche Geschichte ein. Dass die Formate der Bücher und dieses Mal sogar die Haptik an die jeweiligen Inhalte angepasst werden, zeigt die Liebe des Verlages zum Detail und den Respekt, den er den jeweiligen Geschichten entgegenbringt. Mich kann so etwas begeistern.

Fazit: „The Divine“ erzählt eine mystische Kriegsgeschichte voller Gewalt und faszinierenden Charakteren. Es geht darum, wie Magie in die Welt einbricht und diese verändert. Es geht um Menschen in ungewöhnlichen Situationen. Immer spannend erzählt „The Divine“ einen Mythos. Die Zeichnungen sind toll und das Buch ist toll produziert. Mehr kann man von einem modernen Comic nicht erwarten.

The Divine

Comic
Asaf Hanuka, Tomer Hanuka, Boaz Lavie
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-86425-837-4
160 S., Hardover, deutsch
Preis: EUR 28,00

[Diese Rezension wurde für den Ringboten geschrieben.]

27.06.16

[Rezi] The Shaolin Cowboy - Shemp Buffet


Der Klappentext von „The Shaolin Cowboy - Shemp Buffet“ verspricht endlose Zombie-Action voller Verrücktheit. Das klingt doch eigentlich ganz nett. Was ich allerdings erhielt, überraschte mich etwas.

Was bisher geschah … Diese Worte stehen am Anfang von zwei mit mikroskopisch kleiner Schrift beschriebenen Seiten. Dort erfahren wir, dass der titelgebende Shaolin Cowboy sein Kloster verlassen musste, weil jemand, der ihm Böses wollte, Chicken Nuggets auf seine Pritsche geschmuggelt hatte. Der Cowboy kann zwar das Komplott stoppen, bei dem Hähnchenprodukte an willensschwache, eigentlich vegetarisch lebende Shaolinmönche verkauft wurden, bleibt aber dennoch ausgestoßen. Er zieht in die Welt, um sie mit seinem herausragenden Kung Fu zu verbessern. Zeit vergeht, Dinge geschehen. Sehr viel später wird er von einer riesigen Kreatur verschluckt, kann sich aber befreien, durch mehrere Höllenkreise kämpfen und schließlich wieder an die Erdoberfläche graben - verfolgt von einer Armee von Toten. Da beginnt das „Shemp Buffet“.

So absurd die Geschichte bisher klingt (ich habe viel weggelassen), so absurd wird auch der Comic, wenn auch auf völlig andere Weise. Der Cowboy erreicht die Erdoberfläche, wenig später gefolgt von den Toten. Zuerst läuft er weg, doch findet dann einen hier nicht genannten Grund (ich will nicht alles vom wenigen Inhalt verraten), um gegen die Horde anzutreten. Was folgt ist ein völlig inhaltsloses Zombiegemetzel. Panel reiht sich an Panel, in dem der Cowboy seine Kettensägen schwingt und Zombies in handliche Teile zerhackt. So etwas wie Handlung sucht man vergebens.

Man muss die Absurdität einer solchen Geschichte zu würdigen wissen, will man Spaß an dem Band haben. Die Zeichnungen sind großartig, keine Frage. Als Bildband könnte ich mir das Buch gut vorstellen, vielleicht auch als „Coffee Table Book“ oder „Conversation Starter“. Was die Geschichte angeht, forschte ich ein wenig nach, um herauszufinden, was das Ganze soll. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der vorliegende Band die Übersetzung von vier Einzelbänden, die 2013 bis 2014 von Dark Horse Comics herausgegeben wurden. Davor gab es sieben Einzelbände verlegt von Burlyman Entertainment (2004 bis 2007). Ich vermute, die Zusammenfassung im „Was bisher geschah …“-Text beschreibt die Handlung dieser ersten sieben Bände. Im Zuge dieser Entwicklung scheint das „Shemp Buffet“ einfach der Höhepunkt einer Aneinanderreihung von absurder Action zu sein – ein blutig roter Stinkefinger in Richtung der klassischen „Story“ von einem Autoren und Zeichner, der als Enfant Terrible der Comicszene bezeichnet wird. Ich kann hier nur raten, aber von solch einer Warte aus betrachtet funktioniert das „Shemp Buffet“ immerhin. Comic-Fans mit entsprechender Vorbildung und passenden Vorlieben werden sicherlich ihren Spaß an dem wie immer stabil produzierten Hardcoverband haben, mich lässt er allerdings Kopf kratzend zurück.

Fazit: Eigentlich liefert der Band, was er verspricht: In wirklich tollen Bildern metzelt sich der Shaolin Cowboy durch wahre Horden von Zombies. Es ist absurde Action auf die Spitze getrieben. Nur Handlung sucht man vergebens.

The Shaolin Cowbow - Shemp Buffet
Comic
Geof Darrow, Dave Stewart
Cross Cult 2016
ISBN: 978-3-86425-838-1
136 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 25,00

[Diese Rezi wurde für den Ringboten geschrieben.]